Der Faden der Erinnerung

… die Natur selbst […] trägt […] zu unserer wachsenden Verwirrung bei: hat sie doch nicht nur ein heilloses Sammelsurium von Krims und Krams in uns abgelegt – ein Stück Polizeiuniformhose liegt da auf Tuchfühlung mit dem Brautschleier von Königin Alexandra –, sondern hat auch noch ersonnen, daß diese ganze Kollektion mit einem einzigen Faden zusammengeheftet werde. Die Erinnerung ist die Näherin, und, oh, was für eine launenhafte. Die Erinnerung fädelt mit ihrer Nadel auf und nieder, rein, raus, kreuz und quer. Wir wissen nicht, was als nächstes kommt oder gar, was darauf folgt. So kann die normalste Sache der Welt, etwa: sich an den Tisch setzen und das Tintenfaß zu sich ziehen, tausend wirre, zusammenhanglose Fetzen in Aufruhr versetzen, manche klar, andere verschwommen; die hängen und hüpfen, mal schüchtern, mal gebläht, wie die Unterwäsche einer vierzehnköpfigen Familie bei stürmischem Wind auf der Leine. Und so sind unsere gewöhnlichsten Verrichtungen keine geradlinigen, ehrlichen, kreuzbraven Angelegenheiten, derer sich niemand schämen müßte, nein, sie sind befallen vom Schwirren und Flattern von Flügeln, vom Auf und Ab von Gelamp. …

Virginia Woolf: Orlando, Chapter 2
Quelle hier, Übersetzung: selbst

Der Mattenweber

[…]
Ich war Helfer, Zuarbeiter von Queequeg bei der Arbeit an der Matte. Ich ließ, mit meiner Hand als Weberschiffchen, den Einschlag oder Schuß des Bändsels zwischen den langen Kettfäden hin- und wiedergehen, und Queequeg, etwas beiseite, hieb von Zeit zu Zeit mit dem schweren Webschwert aus Eichenholz zwischen die gespannten Fäden; so schob er, während er träge über das Meer schaute, beiläufig und achtlos den Schußfaden gegen das Gewebe. Es kam mir vor, als …