Film & Bild

Etwas wirklich Schönes sind Lehrfilme über alte Techniken, die wir früher im Projektorraum der Schule anschauten, wenn die Lehrerin mal eine ruhige Stunde wollte. Heute findet man sie im Netz, etwa den über Bandwirkerei im Bergischen Land. Könnte ich mir stundenlang anschauen.

Das hier führt zeitlich noch weiter zurück: Die Herstellung von Leinengarn um 1918. Wie viel Arbeit, Technik und Wissen in einem Stück Stoff steckt, kann man hier hochrechnen.

Kann natürlich auch schiefgehen, das mit der guten alten Zeit. Hier ein Fund von Frau wardawas (danke!) aus dem Mittelalter, Spezialfall Robin-Hood-Filme:

Und da entdecke ich ein hinreißendes Foto von Robin und Lady Mariam, wie er sie zärtlich um die Taille fasst.

Aber, denkt da die nähtechnisch versierte Frau, dieses Traumkleid wäre so mit mittelalterlicher Nähkunst und ohne Jerseystoffe nicht realisierbar gewesen … Robin ist immerhin zur Zeit der Kreuzzüge angesiedelt …

Und kaum wirft man, misstrauisch geworden, einen genaueren Blick auf das Bild, was blitzt da rechts unter der Achselhöhle der schönen Lady? Genau, der Zipper eines Reißverschlusses! Hoho, da hat die Kostümbildnerin sich’s aber zu einfach gemacht!!! Keine Nestelbänder, keine Ösen, just zip it …

Hüllen füllen

Jahrzehnte war das Heilige Hemd immer dabei, wenn ich auf Reisen oder Wanderungen ging, bis mein Rucksack ein Loch hineingescheuert hatte, das sich nicht mehr schließen ließ.

Vom Laken über Altartuch und Hemd zum Kissenbezug.

Vom Laken über Altartuch und Hemd zum Kissenbezug.

Nun ist es, in seiner vierten Inkarnation, wieder ins Bett zurückgekehrt. Ich schlafe gern darauf.

Ich überlege manchmal, wer wohl diesen Stoff gewebt hat, und ob er oder sie sich freuen würde, daß er so ein langes Leben hat.

Instandhalten

Zu älteren Stopfstellen kommen neue ...

Zu älteren Stopfstellen kommen neue …

Ich mochte diese Bluse schon immer. Sie stammt aus dem letzten Jahrtausend und hat einiges erlebt mit mir. Immer wieder setze ich sie instand; immer noch geht sie als ordentlich durch.

normalverteilt

Im Paradies, da bin ich sicher, muß es Leinen geben! Leinen faßt Kissen griffig ein und lindert Sommernächte mit kühler Hand. Frisches Leinen duftet weiß und zieht den Schlaf an; es kann schwer sein wie ein Kettenhemd und im Wind knattern, daß einen das Fernweh packt.

Leinenservietten. Anfang 20. Jh.

Leinen liebt Hitze: Unterm glühenden Bügeleisen bekommt es Glanz. Was als kalte, krumme Lappen aus der Wäsche kam, streckt sich wohlig und zeigt gewirkte Muster: Fischgrat auf der hessischen Hausweberei, Veilchensträuße auf den herrschaftlichen Servietten. Leinenweiß würde es, wenn es Tau und Sonne trinken dürfte auf der Bleichwiese. (Es gibt eine Bleiche am Fluß, aber die ist vierspurig ausgebaut …)

Und dann sind da die Monogramme. Taufkleid, Nachtwäsche, das letzte Hemd — jedes Stück trägt das stolze Zeichen seiner Besitzerin, Trägerin und womöglich Herstellerin.

Häkelspitze

Ich könnte kein Kleidungsstück machen — vom Raufen, Riffeln, Rotten, Brechen, Schwingen, Hecheln, Spinnen, Haspeln, Weben auf dem Weg vom…

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