Stopfhilfen III: Der Speedweve-Praxistest

Dies ist der dritte Teil des Gastbeitrags von Frau wardawas, die unerschrocken Antiquitäten auf Tauglichkeit prüft.

Funktioniert das Stopfen mit der Stopfhilfe wirklich? Und lädt man sich nicht etwa mehr Arbeit auf, als wenn man schlicht ein Stopfei benutzt?

Da hilft nur ausprobieren!

Eine sehr viel getragene (weil geliebte) Socke der Freundin soll als Versuchsobjekt dienen. Die Socke ist besonders deshalb geeignet, weil sie gleich drei Löcher unterschiedlicher Größe aufweist – sie war auch eigentlich gar nicht mehr zum Flicken gedacht, sondern als Größenmaß für neu zu Strickende.

Zunächst einmal spanne ich die Stelle über die Holzscheibe des Geräts und lege den (kürzeren) Gummi darum. Gleich positiv zu bemerken: alles sitzt sehr schön flach, anders als beim Stopfei, wenngleich die Fläche wegen der drei Löcher grade noch so reicht. Auf dem Stopfei hätte man ja nun die Löcher eins nach dem andern gestopft, und das wäre schon etwas knollig geworden mit all den Spannfäden.

Ich nehme nun als erstes einen dünnen Beilaufgarnfaden und fasse diejenigen Randmaschen und Spannfäden auf, die ich zu greifen bekomme – also einmal rund um jedes Loch, damit die Maschen nicht fallen können.

Alle Löcher gesichert.

Mit der Stopfhilfe kann ich dann ja eine einheitliche Fläche über alle drei Löcher hinweg anlegen.

Als nächstes setze ich das Metallteil mit den Haken am Rand der Holzscheibe an und halte es mit dem (längeren) zweiten Gummiband fest. Die Klappösen der Haken stelle ich senkrecht und schiebe das (aus einem Kragenstäbchen zugeschnittene, weil verloren gegangene) Haltestäbchen durch, um sie in dieser Position zu fixieren. Nun stehen die Haken schön senkrecht und können bespannt werden.

Ich verwende vierfädiges Strumpfgarn, die Socke ist zwar aus sechsfädigem gestrickt, aber so bleibt das Gewebe feiner.

Gespannte Kettfäden.

Die zehn Haken, die das Gerät hat, reichen genau zum Abdecken meiner Fläche. Ich versuche die Fäden möglichst gleichmäßig zu spannen.

Nun entferne ich das Haltestäbchen und lege die Ösen nach rechts um, damit ich mit dem Durchweben beginnen kann – ich habe die Fäden von rechts nach links zu spannen begonnen, befinde mich also mit der Nadel nun links von der Spannfläche.

Durchgeschossener Stopffaden.

Meine Stopfnadel ist länger als die Spannfädenfläche; ich schiebe sie mit dem Öhr voran ganz oben direkt unter den Haken durch die Spannfäden, denn dort ist das „Fach“, das die Haken bilden, am weitesten (gut, dass ich mal gewebt habe …). Ich ziehe den Faden in einem leichten Bogen ein und schiebe ihn mit der Nadel möglichst gleichmäßig nach unten zum Beginn der Spannfäden.

Die gefüllte Fläche.

An der rechten Seite mache ich einen Befestigungsstich durch das Sockengestrick, dann lege ich die Ösen nach links um und webe zurück; so fülle ich nach und nach die Fläche bis möglichst nah an die Haken, immer am Rand den Befestigungsstich setzend. Es geht erstaunlich rasch und macht Spaß, wieder – klack! – die Haken umzulegen.

Randfixierung.


Ich löse nun den Haltegummi des Hakenteils und stelle es rechtwinklig zur Stopfstelle, so gleiten die Haken leicht aus den kurzen Schlaufen. Die nähe ich nun eine nach der anderen mit einem oder zwei Steppstichen an dem Sockengestrick fest, und das war’s auch schon.

Die Flickstelle sieht sauber und ordentlich aus, das Gewebe hat zwar noch einige Unregelmäßigkeiten in der Dichte, aber das dürfte mit zunehmender Übung auch besser werden.

Fertig! Und ordentlich.

Fazit: kleine Löcher werde ich weiterhin konventionell stopfen, aber für solche größeren Schäden ist das Speedweve definitiv sehr gut geeignet!

Zum Vergleich: Ganz normal gestopft.

Und als Bonus noch die deutschsprachige Gebrauchsanweisung des Wundergerätes.
Herzlichen Dank für den ausführlichen Bericht!

Stopfhilfen II

Zweiter Teil des Gastbeitrages von Frau wardawas, die die tollsten Dinge in ihren Beständen hat:

Die Stopfhilfe für die Maschine hat drei unterschiedlich große Metallringe zum Aufspannen des Stoffes (auch für Rundgummi-Befestigung) und einen Federzug zum Anheben des Nähfußes trotz abgesenktem Presserfußhebels. Die Stichlänge soll auf Null gestellt werden, um frei arbeiten zu können.

Keine Rede ist davon, was mit dem Stofftransporteur geschehen soll (in der Regel muss man ihn zum Freihand-arbeiten wie Stopfen oder Sticken ja absenken oder ausschalten, je nach System).

Auch diese Vorrichtung habe ich noch nicht ausprobiert – ich fürchte auch, dass die Sache mit dem Nähfußhebel Probleme machen könnte …

Alle Rundgummis sind natürlich irgendwann porös geworden und entsorgt, aber Ersatz ist leicht aufzutreiben.

Stopfhilfen I

Hier ein Gastbeitrag von Frau wardawas mit einem Fundstück aus ihren Beständen. Das Patent hatte mir schon mal Frau Amsel gezeigt, als britisches Erzeugnis namens „Lemon Loom“, heute nur noch antik und für ein Heidengeld zu haben. Großartige Sache, will mir scheinen.

Bei meinen gesammelten historischen Näh- und Flickutensilien finden sich zwei (baugleiche) „Patentlösungen“ fürs Handstopfen und eine Hilfsvorrichtung für Stopfen mit der Maschine.

Die Handstopfhilfen spannen jeweils den Strumpfteil mit Loch über eine Holzronde, die mit einer Nut versehen ist; ein Rundgummi hält das Ganze am Platz. Dazu gehört ein Blechteil mit Spannhaken für die senkrechten Stopffäden. Die Haken lassen sich zur Seite drehen und bilden so jeweils ein „Fach“ wie beim Weben, so dass man die Nadel nur durchzuschieben braucht (also nicht „drunter-drüber-drunter“ pfriemeln muss. Ganz zum Schluss werden die Fäden von den Haken gelöst und vernäht.

Soweit die Theorie, wie der Beipackzettel sie vermittelt. Ich muss gestehen, dass ich die praktische Probe aufs Exempel noch nicht gemacht habe …

… und hier mit der passenden Aufbewahrung.

Stickhilfen

Erst einfärben, dann sticken. (Klick: Genaueres.)

Für die Schönschrift. (Klick: Genaueres.)

Ein weiterer Blick in die Bestände von Frau wardawas, diesmal: Wie haben die damals eigentlich diese Monogramme so wunderschön hinbekommen?

Mit diesen Schablonen und dem Stupfpinsel samt blauer Farbe markierte die fleißige Braut ihr Aussteuerleinen, das es anschließend mit säuberlicher Weißnäherei mit den Initialen zu besticken galt. Der Bestand erhielt außerden oft fortlaufende Nummern (das Dutzend Bettlaken, Taschentücher etc.). Selbst an die Bögen für die Langetten-Umrandung ist gedacht … Die bürgerlichen jungen Damen müssen Stunden und Stunden am Stickrahmen verbracht haben (wenn sie es nicht an das Dienstmädchen delegierten) …
Unfaßbar für heutige Verhältnisse; aber wer stickt, kann den Gedanken an den Liebsten nachhängen und treibt keine sonstige Allotria …
Schön für uns, wenn wir die sorgfältig bestickten Leinensachen erben oder auf dem Flohmarkt finden können. In Zeiten, wo Kleidung bei Primark für ein paar Euro gekauft, einmal getragen und dann weggeworfen wird, schon nachdenkenswert. Aber die Herstellung der schönen Leinenwäsche war halt enorm arbeitsaufwendig, die Qualität hielt Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, da ist der Wäschevorrat ein echter Schatz, Teil der „Mitgift“ und wird in Ehren gehalten.

Monogramm …

Aus anderer Leuts Nähkästchen

Gastfotos von Frau wardawas. (Klick macht mehr Garn.)

Gastfotos von Frau wardawas. (Klick macht mehr Garn.)

Sternzwirn, Knopfzwirn, Glanzgarn, Glacégarn, Leinen 3fach Schlüsselgarn … Sind die nicht wunderschön? Das sind Garne aus den Beständen von Frau wardawas, Saarländerin, Spaziergängerin, Sammlerin hübscher Sachen. Ich bestaune einmal mehr, was es alles gab, und danke herzlich für den Gastbeitrag!