Aus anderer Leuts Nähkästchen

Gastfotos von Frau wardawas. (Klick macht mehr Garn.)

Gastfotos von Frau wardawas. (Klick macht mehr Garn.)

Sternzwirn, Knopfzwirn, Glanzgarn, Glacégarn, Leinen 3fach Schlüsselgarn … Sind die nicht wunderschön? Das sind Garne aus den Beständen von Frau wardawas, Saarländerin, Spaziergängerin, Sammlerin hübscher Sachen. Ich bestaune einmal mehr, was es alles gab, und danke herzlich für den Gastbeitrag!

 

 

 

Hüllen füllen

Jahrzehnte war das Heilige Hemd immer dabei, wenn ich auf Reisen oder Wanderungen ging, bis mein Rucksack ein Loch hineingescheuert hatte, das sich nicht mehr schließen ließ.

Vom Laken über Altartuch und Hemd zum Kissenbezug.

Vom Laken über Altartuch und Hemd zum Kissenbezug.

Nun ist es, in seiner vierten Inkarnation, wieder ins Bett zurückgekehrt. Ich schlafe gern darauf.

Ich überlege manchmal, wer wohl diesen Stoff gewebt hat, und ob er oder sie sich freuen würde, daß er so ein langes Leben hat.

Wegbegleiter, abgelegt.

Rumgekommen sind sie.

Rumgekommen sind sie.

Aus dem letzten Jahrtausend stammen meine Wanderschuhe, ein Paar von Meindl, noch mit den ersten Sohlen und Schnürsenkeln. Ich hatte sie am Alpenrand für einen Einsatz an der Nordsee gekauft. Unerhörte 300 Mark sollten sie kosten, aber ich bekam sie für 260, denn richtig gepaßt hatten sie eigentlich nicht: ein Kompromiß aus zu kurz und zu weit. Ich weiß nicht, wie viele hundert oder tausend Kilometer ich in ihnen gegangen bin; richtig gute Schuhe waren das. Erst im letzten Jahr falteten sie sich, daß sie drückten; auf dem letzten gemeinsamen Weg, schwierige Strecke, haben sie mir bös wehgetan.

Ich würde sie nicht leichtfertig ausmustern, aber: Nun ist es Zeit, die Neuen zu schnüren.

 

 

Mit Löchern leben

Dank Frau Amsel ein bezaubernder Link: Pergament, hauchdünn geschabte Tierhaut, war ein kostbarer Datenträger. Das warf man nicht einfach weg, wenn man beim Schreiben auf ein Loch stieß.

Was aber tun, wenn man nichts tun kann gegen Löcher? Hier ein paar mittelalterliche Ideen (englisch — weitere Bilder, wenn man den Links folgt).

(Ehrlich, Frau Amsel sollte hier langsam einen Gastzugang bekommen.)

Beim Flicken eines Hosenbodens

Hab ich so oft und lang und hart gesessen,
daß selbst das zäh‘ und duldsame Geflecht
des Hosenstoffes nicht mehr hält so recht?
Da wär wohl nun auch dieser Hose Zeit gemessen,

wenn ich nicht mit der Nadel was dagegen täte.
So sitz ich, statt an Worten fort zu feilen,
am Fenster und verhindere das Teilen
der Lieblingshosen rückwärtiger Nähte.

Und wie ich, trotzend wohl dem Lauf der Zeit,
Stich um gemessnen Stich zusammen reih,
schaff ich doch, was ich schaffen wollte, nicht:

ich komm in meinem Text bei weitem nicht so weit.
Doch selbst wenn heut‘ ich keine Dicht’rin sei,
der Hosenboden, immerhin, ist wieder dicht.

 

Erstes Gedicht der losen Serie „Bei Bloggers daheim: Haushaltssonette“.
Zweites Gedicht hier.
Weitere willkommen.

Über Löcher (II)

Den unmerklichen Materialverlust hatten wir bereits abgehandelt; im Folgenden geht es um den rapiden Verlust von Spannung.

Fäden aus langen Fasern und solche aus Material wie Nylon oder Hanf oder Spinnenseide sind als reißfest bekannt. In schweren Tuchen potenziert sich die Reißfestigkeit des Fadens; je gleichmäßiger und je dichter er gewebt ist, umso belastbarer ist er. Das aber hilft alles nichts gegen die Reißteufel, bei denen nichts Textiles heil bleibt.

Drastische Maßnahmen sind erforderlich.

Über den Verlust von Spannung