Mit Löchern leben

Dank Frau Amsel ein bezaubernder Link: Pergament, hauchdünn geschabte Tierhaut, war ein kostbarer Datenträger. Das warf man nicht einfach weg, wenn man beim Schreiben auf ein Loch stieß.

Was aber tun, wenn man nichts tun kann gegen Löcher? Hier ein paar mittelalterliche Ideen (englisch — weitere Bilder, wenn man den Links folgt).

(Ehrlich, Frau Amsel sollte hier langsam einen Gastzugang bekommen.)

Die Netzflickerin

Die ganz, ganz hohe Schule des Stopfens ist das Flicken von Spinnennetzen.

Die amerikanische Künstlerin Nina Katchadourian, aus dem Netz bekannt durch ihre Renaissance-Selbstporträts in Flugzeugtoiletten, bietet sogar ein Spinnweb-Reparatur-Set für den begeisterten Laien an.

Von den Kunstprojekten, die sie auf ihrer Seite vorstellt, bin ich ganz bezaubert. Viel Vergnügen!

 

Und hier bei Karu: andere Räuber flicken ihre Netze selbst.

Darning, patching, mending: Stopfen anderswo

Im wilden, weiten Netz gibt es alles — und es gibt auch Menschen, die sich mit dem Stopfen als Kulturgut, als Kunstform und als schöne Konsumverweigerung befassen. [Alles auf Englisch.]

Diese Funde stammen von Kate Davies‘ Blog. Kate Davies entwirft Strickmuster für erstaunliche Dinge. Danke an Frau Amsel für den Hinweis!

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Die Schönheit der kleinen Dinge, die jeden Tag durch unsere Hände gehen: die Künstlerin Monika Mosburger vermag sie festzuhalten. In ihrer Sammlung haben sich Gegenstände des täglichen Lebens aus den vergangenen hundert Jahren und mehr erhalten. Sie fügt sie zu Bildern zusammen, die so vertraut scheinen, aber bei genauerem Blick auf Abwege führen: Was näht man eigentlich mit englischem Glacé-Garn? Auf welchen internationalen Ausstellungen wurde Zwirn prämiert? Und wie es wohl kommt, daß sich der Himmel in einem hundertjährigen, schwarzen Leinenfaden spiegelt?

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Im Paradies, da bin ich sicher, muß es Leinen geben! Leinen faßt Kissen griffig ein und lindert Sommernächte mit kühler Hand. Frisches Leinen duftet weiß und zieht den Schlaf an; es kann schwer sein wie ein Kettenhemd und im Wind knattern, daß einen das Fernweh packt.

Leinenservietten. Anfang 20. Jh.

Leinen liebt Hitze: Unterm glühenden Bügeleisen bekommt es Glanz. Was als kalte, krumme Lappen aus der Wäsche kam, streckt sich wohlig und zeigt gewirkte Muster: Fischgrat auf der hessischen Hausweberei, Veilchensträuße auf den herrschaftlichen Servietten. Leinenweiß würde es, wenn es Tau und Sonne trinken dürfte auf der Bleichwiese. (Es gibt eine Bleiche am Fluß, aber die ist vierspurig ausgebaut …)

Und dann sind da die Monogramme. Taufkleid, Nachtwäsche, das letzte Hemd — jedes Stück trägt das stolze Zeichen seiner Besitzerin, Trägerin und womöglich Herstellerin.

Häkelspitze

Ich könnte kein Kleidungsstück machen — vom Raufen, Riffeln, Rotten, Brechen, Schwingen, Hecheln, Spinnen, Haspeln, Weben auf dem Weg vom…

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