Stickhilfen

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Für die Schönschrift. (Klick: Genaueres.)

Ein weiterer Blick in die Bestände von Frau wardawas, diesmal: Wie haben die damals eigentlich diese Monogramme so wunderschön hinbekommen?

Mit diesen Schablonen und dem Stupfpinsel samt blauer Farbe markierte die fleißige Braut ihr Aussteuerleinen, das es anschließend mit säuberlicher Weißnäherei mit den Initialen zu besticken galt. Der Bestand erhielt außerden oft fortlaufende Nummern (das Dutzend Bettlaken, Taschentücher etc.). Selbst an die Bögen für die Langetten-Umrandung ist gedacht … Die bürgerlichen jungen Damen müssen Stunden und Stunden am Stickrahmen verbracht haben (wenn sie es nicht an das Dienstmädchen delegierten) …
Unfaßbar für heutige Verhältnisse; aber wer stickt, kann den Gedanken an den Liebsten nachhängen und treibt keine sonstige Allotria …
Schön für uns, wenn wir die sorgfältig bestickten Leinensachen erben oder auf dem Flohmarkt finden können. In Zeiten, wo Kleidung bei Primark für ein paar Euro gekauft, einmal getragen und dann weggeworfen wird, schon nachdenkenswert. Aber die Herstellung der schönen Leinenwäsche war halt enorm arbeitsaufwendig, die Qualität hielt Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, da ist der Wäschevorrat ein echter Schatz, Teil der „Mitgift“ und wird in Ehren gehalten.

Monogramm …

Hüllen füllen

Jahrzehnte war das Heilige Hemd immer dabei, wenn ich auf Reisen oder Wanderungen ging, bis mein Rucksack ein Loch hineingescheuert hatte, das sich nicht mehr schließen ließ.

Vom Laken über Altartuch und Hemd zum Kissenbezug.

Vom Laken über Altartuch und Hemd zum Kissenbezug.

Nun ist es, in seiner vierten Inkarnation, wieder ins Bett zurückgekehrt. Ich schlafe gern darauf.

Ich überlege manchmal, wer wohl diesen Stoff gewebt hat, und ob er oder sie sich freuen würde, daß er so ein langes Leben hat.

Wegbegleiter, abgelegt.

Rumgekommen sind sie.

Rumgekommen sind sie.

Aus dem letzten Jahrtausend stammen meine Wanderschuhe, ein Paar von Meindl, noch mit den ersten Sohlen und Schnürsenkeln. Ich hatte sie am Alpenrand für einen Einsatz an der Nordsee gekauft. Unerhörte 300 Mark sollten sie kosten, aber ich bekam sie für 260, denn richtig gepaßt hatten sie eigentlich nicht: ein Kompromiß aus zu kurz und zu weit. Ich weiß nicht, wie viele hundert oder tausend Kilometer ich in ihnen gegangen bin; richtig gute Schuhe waren das. Erst im letzten Jahr falteten sie sich, daß sie drückten; auf dem letzten gemeinsamen Weg, schwierige Strecke, haben sie mir bös wehgetan.

Ich würde sie nicht leichtfertig ausmustern, aber: Nun ist es Zeit, die Neuen zu schnüren.

 

 

Auslaufmodell.

Hier gibt's nie die ganze Tasse.

Hier gibt’s keine ganze Tasse.

Teure Stücke wurden früher repariert, genietet oder genäht, wobei mir schleierhaft ist, wie. Manchmal sieht man das: Tafelaufsätze mit regelrechten Narben. Ich mag das, wenn die Reparatur sichtbar ist; Sammler interessiert wohl eher ein unversehrter Look. Sei’s drum; diese Tasse ist kein Sammlerstück, die wird wohl, wenn sich wer beschwert, einfach entsorgt werden.

Perdu

schuhe

Das waren Lieblingsschuhe, und sie sind nicht mehr.

Gekauft im Jahr, nach dem sie aktuell waren; rot und schwarz. Getragen und getragen und getragen, mit Einlegesohlen bis in den tiefsten Winter hinein. Naß bin ich in ihnen geworden, neue Senkel mußte ich ihnen kaufen, bei allen Geschichten waren sie dabei. Ich wüßte gern, wie viele rote, wie viele schwarze Kilometer ich mit ihnen gegangen bin.

Das Ende machte sich als plötzliche Schiefe bemerkbar, als ein leises Knirschen: der Kunststoff der Sohlen löste sich auf. Der Schuster hat sie noch einmal geflickt; beim zweiten Mal schüttelte er den Kopf: nichts mehr zu machen. Wie lange sie denn gehalten hätten? Elf Jahre? Da könne ich mich nicht beschweren; länger als so manche Ehe.