Mausezahn

Im Winter hatte ich Mausbesuch in meiner Küche. Was aus ihr geworden ist, weiß ich nicht; die Fallen jedenfalls blieben alle leer.

Kleines Souvenir.

Neulich wollte ich die letzten Walnüsse aus dem Stoffbeutel holen und fand darin ein neues Loch, das die Maus, knippknapp, mir hinterlassen hatte. Die Mühe rührt mich, Stopfen hätte ich schade gefunden; also habe ich das Loch eingefangen und gerahmt.

 

 

 

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Beim Flicken eines Hosenbodens

Hab ich so oft und lang und hart gesessen,
daß selbst das zäh‘ und duldsame Geflecht
des Hosenstoffes nicht mehr hält so recht?
Da wär wohl nun auch dieser Hose Zeit gemessen,

wenn ich nicht mit der Nadel was dagegen täte.
So sitz ich, statt an Worten fort zu feilen,
am Fenster und verhindere das Teilen
der Lieblingshosen rückwärtiger Nähte.

Und wie ich, trotzend wohl dem Lauf der Zeit,
Stich um gemessnen Stich zusammen reih,
schaff ich doch, was ich schaffen wollte, nicht:

ich komm in meinem Text bei weitem nicht so weit.
Doch selbst wenn heut‘ ich keine Dicht’rin sei,
der Hosenboden, immerhin, ist wieder dicht.

 

Erstes Gedicht der losen Serie „Bei Bloggers daheim: Haushaltssonette“.
Zweites Gedicht hier.
Weitere willkommen.

Der Faden der Erinnerung

… die Natur selbst […] trägt […] zu unserer wachsenden Verwirrung bei: hat sie doch nicht nur ein heilloses Sammelsurium von Krims und Krams in uns abgelegt – ein Stück Polizeiuniformhose liegt da auf Tuchfühlung mit dem Brautschleier von Königin Alexandra –, sondern hat auch noch ersonnen, daß diese ganze Kollektion mit einem einzigen Faden zusammengeheftet werde. Die Erinnerung ist die Näherin, und, oh, was für eine launenhafte. Die Erinnerung fädelt mit ihrer Nadel auf und nieder, rein, raus, kreuz und quer. Wir wissen nicht, was als nächstes kommt oder gar, was darauf folgt. So kann die normalste Sache der Welt, etwa: sich an den Tisch setzen und das Tintenfaß zu sich ziehen, tausend wirre, zusammenhanglose Fetzen in Aufruhr versetzen, manche klar, andere verschwommen; die hängen und hüpfen, mal schüchtern, mal gebläht, wie die Unterwäsche einer vierzehnköpfigen Familie bei stürmischem Wind auf der Leine. Und so sind unsere gewöhnlichsten Verrichtungen keine geradlinigen, ehrlichen, kreuzbraven Angelegenheiten, derer sich niemand schämen müßte, nein, sie sind befallen vom Schwirren und Flattern von Flügeln, vom Auf und Ab von Gelamp. …

Virginia Woolf: Orlando, Chapter 2
Quelle hier, Übersetzung: selbst

Die Netzflickerin

Die ganz, ganz hohe Schule des Stopfens ist das Flicken von Spinnennetzen.

Die amerikanische Künstlerin Nina Katchadourian, aus dem Netz bekannt durch ihre Renaissance-Selbstporträts in Flugzeugtoiletten, bietet sogar ein Spinnweb-Reparatur-Set für den begeisterten Laien an.

Von den Kunstprojekten, die sie auf ihrer Seite vorstellt, bin ich ganz bezaubert. Viel Vergnügen!

 

Und hier bei Karu: andere Räuber flicken ihre Netze selbst.

Der Mattenweber

[…]
Ich war Helfer, Zuarbeiter von Queequeg bei der Arbeit an der Matte. Ich ließ, mit meiner Hand als Weberschiffchen, den Einschlag oder Schuß des Bändsels zwischen den langen Kettfäden hin- und wiedergehen, und Queequeg, etwas beiseite, hieb von Zeit zu Zeit mit dem schweren Webschwert aus Eichenholz zwischen die gespannten Fäden; so schob er, während er träge über das Meer schaute, beiläufig und achtlos den Schußfaden gegen das Gewebe. Es kam mir vor, als …

Wundertüte: Nach Strich & Faden

Im Museum der Dinge steht ein Wundertütenautomat. Das hatte er für mich:

Ein Tütchen Fadennudeln (mit Suppenrezept), ein Papierdeckchen, drei Glitzerdinger mit Nadel zum Annähen, eine Schnur Lakritze.

Nach Strich und Faden: Wendung aus der Sprache der Weber, seit dem 19. Jahrhundert als Redewendung gebräuchlich. Stoffe wurden nach Strich (Webart) und Faden (Material) auf Fehlerfreiheit geprüft. Steht für „gründlich“.
nach Duden: Redewendungen (1992)