Über Löcher (I)

Es ist ganz einfach: Kleidung besteht aus Tuch, Tuch besteht aus Faden.

Faden ist in eine Richtung praktisch ohne Ausdehnung (dünn wie ein Fädchen), in die andere schier endlos (ellenlang). Er bildet die Grundlage für die dreidimensionalen Hüllen, in denen wir stecken.

Zusammengehalten werden die Fäden des Gewebes durch Reibung. Fehlt es an Reibung, fallen sie auseinander, und irgendwann hält das Ganze nicht mehr. Wie Reibung abhanden kommt: durch Materialverlust, durch Verlust von Spannung, durch Veränderung der Fasern.

Höchstselbst im beständigen Gebrauch abgewetzt.

Über Materialverlust

Schere, Zwirn, Papier.

Verpackung für Bücher. Verpackung für Kinkerlitzchen.

Das Glück warf mir einige Bögen altes Löschpapier in den Schoß, vorne hell, hinten dunkel, das ich seither als Geschenkpapier verwende. Für Bücher ist es einfach: Kordel drum, fertig.

Mit Zwirn genähtes Papier.

Als ich mal was anderes verpacken mußte, stellte ich fest, daß sich das Löschpapier wunderbar nähen läßt. Mit etwas grauem Zwirn wurde daraus eine Papiertasche für Kleinigkeiten.

Nähzeug

Metallhülse mit farbiger Marmorlackierung.

Diese vielleicht fünf Zentimeter lange Hülse war ein Flohmarktfund. Ich weiß nicht, aus welcher Zeit sie stammt. Darin befindet sich …

Nähzeug auf kleinstem Raum.

… eine Holzhülse, umwickelt mit Garn in zwei Farben und gefüllt mit zwei Nadeln. Ein kleiner Knopf hätte hier sicher auch noch Platz. Nur die Schere ist zu groß — aber wozu hat die Näherin Zähne?